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Das Wichtigste dieser Folge in Kurzform:

  • Die Happster-Bewegung in den USA konzentriert sich auf 4G für ein glückliches Leben: Gathering, Gratitude, Giving und Growth.
  • Diese Folge ist die erste einer Reihe von Folgen zu jedem dieser 4G und befasst sich mit Gathering – dem ersten der 4G
  • Studien belegen die Bedeutung sozialer Beziehungen für unsere Work-Life-Balance und unser persönliches Wohlbefinden und zeigen, dass gute soziale Beziehungen sogar lebensverlängert sind.

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Kennst du die 4G für ein glückliches Leben?

Die 4G stehen für Gathering, Gratitude, Giving und Growth. Also das soziale Miteinander, Dankbarkeit, das Geben und die persönliche Weiterentwicklung.

Die Happster-Bewegung

Die Amerikanerin Kelli Pease hat vor einigen Jahren einen Blog zum Thema Happiness gestartet. Im Laufe der Zeit ist aus diesem Blog eine ganze Bewegung geworden – die Happster Bewegung. Es gibt Happster-Treffen in mehreren Städten der USA, bei denen es darum geht, gemeinsam Aktivitäten zu unternehmen, die glücklich machen.

Kelli Pease hat sich bei ihrem Blog auf vier Bereiche konzentriert, eben die 4G Gathering, Gratitude, Giving und Growth.

Die habe ich mir etwas genauer angeschaut und tatsächlich belegen viele Studien, dass jeder einzelne dieser Bereiche massiv zum persönlichen Glücksgefühl beitragen kann.

Und da ein glücklicher Lehrer kein gestresster Lehrer sein kann, habe ich zu jedem dieser 4G eine eigene Folge produziert smile.

Und: Ein glücklicher Lehrer ist in meinen Augen auch ein besserer Lehrer. Wer glücklich ist, schläft besser, ist motivierter, hat mehr Energie und ist auch für die Schüler ein besseres Vorbild.

Wenn wir uns in dieser und den kommenden Folgen  mit dem Thema Glücklichsein beschäftigen, sind wir übrigens in guter Gesellschaft. Vom Dalai Lama stammt folgendes Zitat, das ich dir nicht vorenthalten will:

I often ask myself what is the purpose of our lives and I conclude that life’s purpose is to be happy. We have no guarantee what will happen in the future, but we live in hope. That’s what keeps us going. – Dalai Lama

Auf Deutsch: Ich frage mich oft, was der Sinn unseres Lebens ist und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Sinn des Lebens ist, glücklich zu sein. Es gibt keine Garantie dafür, was die Zukunft bringt, aber wir leben in Hoffnung. Das ist es, was uns antreibt. – Dalai Lama

Letztlich entscheidet natürlich jeder für sich, was sein persönlicher Sinn des Lebens ist, aber ich glaube, die Suche nach dem Glück ist bei dieser Entscheidung die wichtigste Antriebsfeder.

Und wenn wir als Lehrer unsere Work-Life-Balance verbessern wollen, dann geht es letztlich ja darum, mehr Freiräume zu schaffen für die Dinge, die uns glücklich machen.

Also, los geht´s!

Starten möchte ich diese kleine Reihe über das Glück mit dem ersten G – Gathering.

Gathering – Die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“, sagt der Volksmund. Und andersherum „Glück ist eines der wenigen Dinge, die mehr werden, wenn man es teilt“.

Beides zeigt sehr deutlich die Bedeutung sozialer Beziehung für unser persönliches Wohlbefinden. Der Mensch ist nun mal ein soziales Wesen und angwiesen auf den Austausch mit anderen.

Soziale Beziehungen sind nicht nur wichtig für das Glück

Eine groß angelegte Meta-Studie (hier geht´s zum Originaltext der Studie), die knapp 150 Einzelstudien mit über 300.000 Teilnehmern ausgewertet hat, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Wer intensive Kontakte zu anderen Menschen pflegt, lebt länger.  Und andersherum, Einsamkeit und mangelnde soziale Bindungen sind ungefährt so schädlich wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag und doppelt so schädlich wie Adipositas (Fettleibigkeit).

Wie ist das zu erklären?

Eine Erklärung, die dazu diskutiert wird, ist: Wer sich für andere verantwortlich fühlt, achtet mehr auf sich selbst und auf die eigene Gesundheit, argumentiert Julianne Holt-Lunstad, eine der Hauptautorinnen der Studie.

Jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe, befinden wir uns gerade in der Corona-Krise und vielen Menschen wird durch die strengen Ausgangsbeschränkungen gerade bewusst, wie wichtig soziale Kontakte für das persönliche Wohlbefinden sind.

Dass, was uns jetzt in der Corona-Epidemie bewusst wird, ist aber schon lange für viele, vor allem ältere Menschen ein Problem. Spiegel International spricht bereits in einem Artikel von 2013 in diesem Zusammenhang von einer Einsamkeits-Epidemie, die vor allem ältere Menschen betrifft.

Wie es auch anders gehen kann, zeigt mir jeden Tag mein eigener Vater. Der ist mit seinen mittlerweile über 80 Jahren eingebunden in ein enges soziales Umfeld aus Freunden, Nachbarn, Verwandten unf Vereinsmitgliedern. Er erfreut sich bester Gesundheit, treibt jeden Tag Sport, fährt Fahhrad und unternimmt Ausflugs- und Wochenendfahrten mit seinen Freunden.

Für mich ist er dadurch auch immer wieder ein Vorbild und eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, sich für seine Freunde Zeit zu nehmen – für viele Lehrer aufgrund des hohen Zeiteinsatzes im Beruf nicht immer selbstverständlich.

Gathering und Schule – Warum es auch für Lehrer wichtig ist, ihre sozialen Kontakte zu pflegen

Schule ist nicht nur ein Lernort, sondern ein Ort sozialen Miteinanders – einer der Punkte, die ich an unserem Beruf wirklich liebe.

Mit wird das häufig vor allem in den Sommerferien bewusst. Da merke ich am Ende der Ferien dann, wie sehr mir der soziale Austausch mit den Schülern und den Kollegen fehlt.

Und vielen Schülern geht es da ja ganz ähnlich.

Eigentlich sollte das Thema Gathering für uns als Lehrer damit ja abgehakt sein. Durch die vielen sozialen Beziehungen in der Schule haben wir in diesem Bereich ja bereits viele Punkte auf unserem Gathering-Konto angesammelt – warum also noch bewusst darauf achten, die privaten Beziehungen nicht zu vernachlässigen?

Richtig?

Ja und nein.

Ja, weil ich glaube, dass die sozialen Kontakte in der Schule in Teilen tatsächlich dieses wichtige Bedürfnis von uns Menschen nach Verbindung erfüllen können.

Und nein, weil ich es bereits öfters erlebt habe, wie sehr Kollegen nach ihrer Pensionierung unter dem Wegfall dieser sozialen Verbindungen gelitten haben – mal ganz abgesehen davon, dass der private Freundeskreis natürlich noch eine ganz andere Ebene von Beziehung darstellt.

Zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance gehört eben auch, allen Bereichen seines Lebens bewusst Zeit einzuräumen. Und die Arbeit ist eben nur einer von mehreren Bereichen – selbst wenn wie bei uns Lehrern der Beruf bereits von vielen sozialen Beziehungen geprägt ist.

Das wird einem spätestens am Ende der aktiven Zeit bewusst. Wer dann kein soziales Umfeld hat, das unabhängig von der Schule auch nach der aktiven Arbeitsphase noch existiert, hat genau das Problem der Einsamkeit im Alter, dass ich weiter oben beschrieben habe.

Statt also bis in den späten Abend hinein an der perfekten Ergebnissicherung für die nächste Mathe-Stunde zu arbeiten, könntest du dir das in Folge 14 beschriebene Pareto-Prinzip zu Herzen nehmen und einfach mal „Fünfe gerade sein lassen“ (passend für das Mathebeispiel laughing)  – und dich stattdessen mit deinen Freunden treffen.

Was kannst du tun, um deinen Gathering-Score zu verbessern?

Den eigenen Gathering-Score nicht aus den Augen zu verlieren, wird immer dann schwierig, wenn es stressiger wird.

Wenn die Klassenarbeiten sich türmen oder man die Abende mit Elterntelefonaten verbringt, ist es schwierig, an die Pflege seiner sozialen Beziehungen zu denken – selbst dann, wenn man weiß, wie wichtig diese für die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden eigentlich sind.

Die positiven Wirkungen sozialer Beziehungen auf deine Gesundheit beschränken sich aber nicht „nur“ auf das reale Treffen mit Freunden. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten, wie du deinen Gathering-Score verbessern kannst.

Einige möchte ich dir hier vorstellen.

Kurztelefonate für bessere soziale Beziehungen

Die Corona-Krise hat nicht nur vielen Menschen die Wichtigkeit ihrer sozialen Beziehungen deutlich gemacht, sie hat auch dazu geführt, dass viele Menschen nach Wegen gesucht haben, wie man diese auch unter schwierigen Bedingungen pflegen kann.

Bei mir war es z.B. so, dass ich häufiger mit Familienmitgliedern und Freunden telefoniert habe, als ich das normalerweise gemacht habe. Diese Kurztelefonate haben meiner Erfahrung nach spürbar dazu beigetragen, meine sozialen Beziehungen aufrechtzuerhalten.

Warum also das nicht beibehalten und in stressigen Arbeitsphasen zumindest regelmäßig kurze Telefonate mit seinen Freunden führen. Das kostet nicht viel Zeit und ist selbst dann möglich, wenn sich die Klassenarbeiten auf dem Schreibtisch mal wieder stapeln.

Online-Meetings

Ebenfalls einen Schub nach vorne haben durch die Corona-Krise Online-Meetings gemacht. Was früher eher im Business-Bereich angesagt war, hat dadurch ein Stück weit auch in Schulen Einzug gefunden – selbst manche hartgesottenen „Offline-Kollegen“ haben in dieser Zeit die Vorteile solcher Online-Meetings mit ihren Schülern zu schätzen gelernt.

Warum das nicht also ebenfalls auch für den privaten Freundeskreis nutzen, wenn die Zeit ein richtiges Treffen nicht zulässt?

WhatsApp und andere Messenger bieten dafür schon seit längerem Videoanrufe als Möglichkeit an, aber auch Zoom und das mittlerweile zu Microsoft gehörende Skype lassen sich dafür nutzen. Zoom ist zwar in letzter Zeit sehr in die Kritik geraten, was die Sicherheit des Dienstes angeht, hat aber auch mittlerweile viel in die Sicherheit investiert.

Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit Jitsi gemacht. Jitsi ist eine Open Source Videokonferenz-Server-Software, die man auf dem eigenen Server installieren kann, die aber auch auf etlichen frei verfügbaren Servern läuft. Der Dienst hat mir so gut gefallen, dass ich vielleicht noch mal eine eigene Folge davon mache.

Jitsi erfordert keine Registrierung. Du brauchst nur auf die Website eines Jitsi-Servers gehen, deinem virtuellen Raum einen Namen geben und schon kannst du dich mit Freunden per Videochat unterhalten.

Allerdings werden die Videogespräche zumindest bei mehr als zwei Teilnehmern nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt, d.h. der Betreiber eines Jitsi-Servers kann die Videochats einsehen.

Laut unserem Medienzentrum unterliegt der Jitsi-Server, den ich dir oben verlinkt habe, aber dem EU-Privacy-Shield. Wenn du mehr Informationen über die Sicherheit von Jitsi haben möchtest, ist diese Seite eine gute Anlaufstelle dafür. Dort findest du auch noch weitere Jitsi-Server, die auf deutschen Servern laufen.

Die lieben Nachbarn

Nachbarn gehören zwar nicht unbedingt zum engeren Freundeskreis (manchmal sind sie sogar das Gegenteil davon), aber eine gute Nachbarschaft trägt mit Sicherheit zu einem guten sozialen Umfeld bei.

Was auf dem Land häufig noch eine Selbstverständlichkeit ist, ist in der Stadt eher die Ausnahme – nämlich eine gute Nachbarschaftshilfe. Frage doch einfach mal deinen Nachbarn, ob er bei irgendetwas Hilfe braucht.

Nimm dir die Zeit für einen kleinen „Schnack“, wenn du deinen Nachbarn zufällig nach dem Einkauf triffst. Damit tust du nicht nur deinem Nachbarn etwas Gutes, sondern auch dir selbst. Und vielleicht bekommst du etwas von dem zurück, was du gibst, wenn du das nächste Mal Hilfe brauchst.

Oft muss man einfach nur Mal freundlich auf den anderen zugehen. Als ich in meine jetzige Wohnung gezogen bin, hatte ich das Problem, dass es keinen richtigen Garten mehr gab, in dem Jacky (mein Hund) richtig lostoben konnte.

Ich habe dann einfach mal die Nachbarin gefragt, die ein großes Wiesengrundstück an ihrem Haus hat, ob ich mit Jacky hin und wieder dort rein könnte. Mittlerweile darf ich sogar die Äpfel und Pflaumen aus dem Garten pflücken smile.

Ehrenamt und soziale Projekte

Deinen Gathering-Score kannst du auch verbessern, indem du dich für ein soziales Projekt engagiert. Dabei kommt es weniger auf das Projekt an sich an, sondern darauf, dass Gefühl zu haben, für jemanden oder etwas verantwortlich zu sein, das man als sinnvoll erachtet und dafür ein Gefühl von Anerkennung zu bekommen.

Eine Tagebuchstudie der Uni Konstanz und der Uni Mainz hat sogar herausgefunden, dass ehrenamtliches Engagement sogar vor beruflich bedingtem Stress schützt und ein wichtiger Resilienzfaktor ist.

Das funktioniert allerdings nur, solange man mit seinem Engagement nicht über die eigenen Grenzen hinausgeht.

Wenn du herausfinden willst, welches Ehrenamt zu dir passt und wo deine Hilfe gebraucht wird, kannst du dafür verschiedene Datenbanken im Internet nutzen. Ich habe dir hier einmal drei davon verlinkt:

* Vor einigen Tagen habe ich in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ einen Beitrag über Let’s Act gesehen, ein Projekt von zwei jungen Menschen, die eine App programmiert haben, die ehrenamtliche Dienste vermittelt. Cool!!

Aber es muss nicht gleich das große Engagement in einer sozialen Einrichtung oder in einem (gemeinnützigen) Verein sein. Eigentlich reicht es schon, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und mitzukriegen, wo jemand Hilfe gebrauchen kann.

Eine der positiven Aspekte der Corona-Krise war in meinen Augen die Erkenntnis, dass genau das sehr viele Menschen hier und anderswo tun.

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Das war der erste Teil der Serie über die 4G – Gathering, Gratitude, Giving und Growth.

Ich hoffe, es war wieder etwas für dich dabei und du hast ein paar Ideen und Inspirationen gefunden, die dich auf deinem Weg zu einer besseren Work-Life-Balance weiter voranbringen.

Wenn das so ist, dann lass mir einen Kommentar da und berichte von deinen Erfahrungen. Und natürlich auch von deinen eigenen Ideen, wie man auch in stressigen Zeiten seine Freunde und sein soziales Umfeld nicht aus den Augen verliert.

Was du für dein Glück tun kannst, wenn du tatsächlich einmal überhaupt keine Zeit und Energie mehr für deinen Gathering-Score hast, dazu erfährst du in der nächsten Folge mehr, wenn es um das Thema Dankbarkeit geht – das zweite der 4G.

Soviel vorweg: Dankbarkeit ist laut aktuellen Studien DER Wohlfühlbooster schlechthin. Du darfst gespannt sein!

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