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 Das Wichtigste dieser Folge in Kurzform:

  • Multitasking funktioniert nicht und bdeutet zusätzlichen Stress für das Gehirn.
  • Wer versucht, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, braucht bis zu 40% mehr Zeit für die Erledigung der Aufgaben.
  • In dieser Folge stelle ich dir einige Ideen vor, um Multitasking zu vermeiden und fokussierter zu arbeiten.

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Wenn wir als Lehrer eine Sache ausgiebig praktizieren, dann ist das Multitasking. Vormittags müssen wir hunderte kleiner Entscheidungen treffen, viele davon nahezu gleichzeitig.

Ein Schüler stellt eine Frage, wir hören zu, achten parallel auf die anderen Schüler, reagieren vielleicht noch auf eine Störung und denken mit einem Teil unseres Gehirns gleichzeitig über den nächsten Unterrichtsschritt nach.

Im Lehrerzimmer reden wir mit zwei Kollegen gleichzeitig über zwei verschiedene Themen, damit uns keiner von beiden durch die Lappen geht.

Und zu Hause erledigen wir die Unterrichtsvorbereitung, während gleichzeitg das E-Mail-Programm geöffnet ist und wir von Zeit zu Zeit die WhatsApp-Nachrichten checken.

All das sind typische Multitasking-Situationen, die nicht ohne Folgen bleiben.

Was genau Multitasking mit uns und unserem Gehirn macht und warum es vielleicht eine bessere Idee ist, sich nur auf eine Sache zur gleichen Zeit zu kozentrieren, darum geht es in der heutigen Folge.

Was ist Multitasking?

Der Begriff Multitasking stammt eigentlich aus dem IT-Bereich und meint dort, dass ein Computer mehrere Programme gleichzeitig ausführt. Was so eigentlich nicht ganz richtig ist, weil einer Computer eigentlich nur sehr schnell zwischen den verschiedenen Programmen hin und her springt, die eigentlichen Aufgaben dann aber seriell, also nacheinander abarbeitet.

In der Psychologie wird mit Multitasking das gleichzeitige Bearbeiten von mehreren Aufgaben mit unterschiedlichen Zielen bezeichnet – bzw. der Versuch, das zu tun. Bei gleicher Zielsetzung spricht man von komplexen Handlungen.

Multitasking funktioniert nicht

Genau wie der Computer, ist aber auch das menschliche Gehirn nicht in der Lage, verschiedene Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten.

Glaubst du nicht?

Versuche einmal Folgendes: Schreibe mit der rechten Hand die Zahl „4“ in die Luft und lasse dabei dein Bein im Uhrzeigersinn kreisen…

Das Multitasking nicht funktioniert, liegt an der Funktionsweise unseres Gehirns.

Wie das Gehirn Informationen verarbeitet

In jedem Sekundenbruchteil empfängt unser Gehirn abertausende Sinnesreize von den vielen verschiedenen Sinneszellen. Diese gelangen zunächst in das Ultrakurzeitgedächtnis und werden dort bereits nach wenigen Zehntelsekunden wieder gelöscht, wenn sie keine Relevanz haben.

Erst, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf einen Sinnesreiz richten, gelangt dieser in das Arbeitsgedächtnis, wo eine Verknüpfung des Sinnesreizes mit anderen Informationen möglich ist.

Beispiel:

Bis gerade hast du sehr wahrscheinlich nicht gespürt, dass die Kleidung, die du trägst, permanent Druck auf deine Haut ausübt und die Hautsinneszellen permanent entsprechende Reize an dein Gehirn gesendet haben.

Erst jetzt, wo du deine Aufmerksamkeit darauf richtest, sind die Sinnesreize in dein Arbeitsgedächtnis gelangt und du nimmst sie wahr.

Fazit: Alles, was in unser Arbeitsgedächtnis soll, braucht dafür unsere Aufmerksamkeit. Die können wir aber nur auf eine Sache zur Zeit richten.

Die einzigen Tätigkeiten, bei denen Multitasking funktioniert, sind deshalb solche, die unbewusst und automatisch ablaufen.

Deshalb kannst du z.B. Fahrradfahren und dabei über etwas nachdenken – allerdings hat das noch nicht funktioniert, als du das Fahrradfahren gelernt hast. Da musstest du nämlich deine Aufmerksamkeit noch auf den Prozess des Fahrens richten.

Multitasking bedeutet Stress für das Gehirn

Unser Arbeitsgedächtnis kann nicht beliebig viele Informationen gleichzeitig enthalten. Tatsächlich spricht man von nur 5-9 Informationseinheiten, die gleichzeitig vorgehalten werden können (die sog. Millersche Zahl).

Und das bedeutet, dass die Informationen, die gerade nicht gebraucht werden, aus dem Arbeitsgedächtnis gelöscht werden, wenn dessen Kapazität überschritten wird.

Springen wir also von einer Aufgabe zu einer anderen, werden die Inhalte der ersten Aufgabe aus dem Arbeitsgedächtnis gelöscht und müssen erneut wieder hochgeladen werden, wenn wir nach der Unterbrechung mit der Aufgabe weiter machen wollen. Und das bedeutet jedesmal einen Ressourcenverbrauch.

Dazu gibt es eine Tagebuchstudie, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit Gesundheits- und Krankenpflegerinnen durchgeführt wurde und die genau das bestätigt:

Unterbrechungen und Multitasking erhöhen die Arbeitsbelastung und vermindern die Leistungsfähigkeit – und das über alle Altersgruppen hinweg. Und gerade das Multitasking führte dazu, dass die Teilnehmerinnen sich abends erschöpft fühlten.

Häufige Unterbrechungen und Multitasking sind nun aber auch genau die Punkte, mit denen wir als Lehrer zumindest am Vormittag permanent zu tun haben – eine schlüssige Erklärung für das allseits bekannte Pädagogenkoma.

Mehr Stress bei älteren Menschen

Ältere Menschen erleben durch Multitasking noch mehr Stress, als jüngere Personen. Der Grund dafür liegt daran, dass Multitasking vor allem den präfrontalen Cortex beansprucht – ein Gehirnbereich, der bei älteren Menschen weniger stark ausgeprägt ist.

Deshalb haben ältere Menschen größere Probleme, zwischen Aufgaben zu wechseln.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die an der University of California in San Francisco durchgeführt wurde. Dort hat Adam Gazzaley verschiedenen Teilnehmern Bilder mit natürlichen Szenerien gezeigt.

Zwischendurch wurde unerwartet für die Teilnehmer das Foto eines Gesichts eingeblendet, bei dem die Teilnehmer Alter und Geschlecht einschätzen sollten. Anschließend sollten sie sich an die ursprüngliche Szene erinnern. Das gelang den älteren Teilnehmern wesentlich schlechter, als den jüngeren Teilnehmern.

Und das kann auch eine Erklärung dafür sein, dass ältere Kollegen mit dem Stress in der Schule häufig weniger gut klar kommen, als ihre jüngeren Kollegen.

Multitasking kostet Zeit

Multitasking verursacht nicht nur Stress, sondern kostet auch noch Zeit, die man vielleicht lieber für andere Dinge investieren würde. Auch dazu gab es eine Untersuchung, die an der Standord University durchgeführt wurde (hier ein Video über diese Studie).

In dieser Studie wurden Multitasker (hier: Menschen, die oft und regelmäßig mehrere Medien gleichzeitg konsumieren) daraufhin getestet, ob sie besser in verschiedenen Aufgabenstellungen abschneiden, als Nicht-Multitasker.

Das Ergebnis war ziemlich ernüchternd: Die Multitasker konnten sich schlechter konzentrieren, waren leichter ablenkbar, unterschieden weniger gut zwischen wichtigen und unwichtigen Aufgaben, brauchten länger beim Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben und brauchten auch mehr Zeit für die einzelnen Aufgaben.

Allerdings ließ die Studie keine Aussage darüber zu, ob Menschen, die sich schlecht konzentrieren können, zu Multitasking neigen oder ob Multitasking dazu führt, dass man sich schlechter konzentrieren kann.

Letzteres wäre eine Erklärung dafür, warum viele unserer Schüler sich oft schlecht über längere Zeiträume konzentrieren können.

Arbeitspsychologen schätzen sogar, dass man ca. 40% mehr Zeit benötigt, wenn man versucht, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu machen.

Was du tun kannst, um nicht in die Multitasking-Falle zu tappen

Das wichtigste ist wie eigentlich immer, zunächst einmal ein Bewusstsein für das Problem zu entwickeln. Erst dann können wir unsere Gewohnheiten hinsichtlich Multitasking verändern.

Von Bruce Lee, der in den 1970er-Jahren große Popularität mit seinen Kung-Fu-Filmen erreichte, stammt folgendes Zitat:

 „The successful warrior is the average man, with laser-like focus.“ – Bruce Lee

Also: Der erfolgreiche Kämpfer ist ein durchschnittlicher Mann mit einem laserscharfen Fokus.

Und genau das ist auch das Mittel der Wahl, um der Multitasking-Falle zu entkommen. Wir müssen lernen, fokussierter an den Aufgaben zu arbeiten, die wir gerade bearbeiten.

Sinnvoll für uns als Lehrer ist dabei, zwischen Vormittag und Nachmittag zu unterscheiden, weil wir da einfach unterschiedliche Ausgangssituationen haben.

Während der Vormittag eher fremdbestimmt ist, können wir am Nachmittag überwiegend eigenverantwortlich unsere Arbeitsabläufe bestimmen.

Tipps für den Vormittag

Während des Unterrichts sind wir vielfältigen Multitasking-Situationen ausgesetzt. Daran lässt sich im Prinzip auch nicht allzu viel ändern.

Allerdings gehören Unterrichtsstörungen zu den häufigen Multitasking-Situationen und hier kannst du tatsächlich ansetzen und versuchen, die Anzahl der Störungen zu reduzieren.

Das kann durch ein gutes Classroom-Management gelingen. Das zielt darauf ab, den Unterricht so zu gestalten, dass die Wahrscheinlichkeit für Störungen reduziert wird – zum Beispiel dadurch, dass keine Leerlaufphasen auftreten und man langatmige Erklärungen und Monologe vermeidet. Auch der berühmte Methodenwechsel gehört natürlich dazu.

Ich habe dir hier einmal zwei Bücher zum Thema Classroom-Management rausgesucht:

Gute Einführung ins Thema, lockere Gestaltung, kein trockener Wälzer.

Das Buch legt den Fokus v.a. auf den Umgang mit Unterrichtsstörungen.

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Sinnvoll ist es, aktiv kurze Erholungspausen in den Vormittag einzubauen. Das ist nicht immer einfach in einem typischen Schulvormittag, aber selbst eine kurze Erholungsphase ist besser als gar keine.

Die nächste Folge handelt genau darüber, es geht nämlich um das Thema Pause machen. Dort werde ich dir auch ein paar Möglichkeiten zeigen, wie du selbst in einem vollgepackten Vormittag kurze Erholungsphasen unterbringen kannst.

Tipps für den Nachmittag

Nachmittags hast du natürlich weit mehr Möglichkeiten, bewusst etwas gegen ungünstige Multitasking-Gewohnheiten zu unternehmen.

Und das fängt schon mit so banalen Dingen an, wie während der Arbeitsphasen keinen Fernseher im Hintergrund laufen zu lassen. Ein ehemaliger Kollege hat mir mal erzählt, dass er genau das immer machr, wenn seine Frau für einige Tage auf Geschäftsreise sei, damit „etwas Leben im Haus ist“.

Genaus das erzeugt aber wie oben beschrieben zusätzlichen Stress – selbst dann, wenn wir glauben, dass wir uns nicht wesentlich durch z.B. den Fernseher ablenken lassen.

Im Schnitt schauen wir alle 14 Sekunden zum anderen Medien, also z.B. zum nebenbei laufenden Fernseher, das jedenfalls hat eine Studie herausgefunden, die 2011 in der Zeitschrift Cyberpsychology, Behaviour and Social Networking erschienen ist.

Und bei jedem dieser Blickwechsel müssen die jeweils benötigten Informationen neu ins Arbeitsgedächtnis hochgeladen werden.

Sorge also für möglichst ablenkungsfreie Arbeitsphasen.

Sinnvoll ist es, wenn du dir dafür feste Arbeitsblöcke einrichtest, in denen du dafür sorgst, dass mögliche Ablenkungsquellen ausgeschaltet sind: Handy und ggf. auch das Telefon auf lautlos stellen, alle nicht benötigten Programm am Computer schließen, am besten Arbeitszimmertür zu mit „Bitte nicht stören“ – Schild.

Falls es dir schwer fällt, zwischendurch am Computer nicht deine E-Mails oder die neuesten Facebook-Einträge zu checken: Auch dafür gibt es eine Lösung in Form von Programmen, die für eine vorgegebene Zeit den Zugrifff auf bestimmte Internetseiten oder sogar ganze Programme am Computer verhindern. Du kannst die so geblockten Programme dann nur mit einem Password oder sogar erst nach einem Neustart des Computers öffnen.

Ich habe das für mich mal ausprobiert, fahre aber besser damit, selbsr dafür zu sorgen, dass ich disziplinierter arbeite. Aber vielleicht ist das ja was für dich.

Hier ein paar Anbieter:

  • StayFocused
    Ein Plugin für den Chrome-Browser, das nur den Zugriff auf freigegebene Internetseiten erlaubt.
  • SelfControl
    Gleiche Funktion für Mac-Nutzer.
  • FocusMe
    Das Programm blockt nicht nur Internetseiten, sondern auf Wunsch auch Programme. Allerdings ist das Programm nicht kostenlos.

Wichtig für ein fokussierteres Arbeiten ist natürlich auch ein gutes Aufgabenmanagement. Schau dir dazu nochmal die Folgen 5, 6, 7 und 8 an, da ging es genau um dieses Thema.

Regelmäßiges Meditieren ist übrigens auch eine sehr gute Möglichkeit, seinen Fokus zu trainieren. Dafür gibt es mittlerweile eine ganze Reihe an guten Apps. Headspace und 7Mind sind zwei der bekanntesten Anbieter.

Hinter 7Mind verbirgt sich ein deutscher Anbieter, was den Vorteil hat, dass die Kosten für die App teilweise von einigen Krankenkassen übernommen werden.

Natürlich tragen auch ein aufgeräumter Schreibtisch und ein aufgeräumtes Arbeitszimmer zu einem fokussierteren Arbeiten bei – gerade für uns Lehrer (mich eingezählt) öfters mal ein Thema.

Sehr empfehlenswert ist es auch, hin und wieder mal einen Unsere-kleine-Farm-Tag zu machen. Damit meine ich einen Tag, an dem man all die modernen Ablenkungen mal aus lässt, sprich kein Internet, kein Ferneher, kein WhatsApp usw.

Du wirst sehen, wie sehr das deinen Tag entschleunigt und deinen Fokus wieder ins Hier und Jetzt bringt. Fast so, als ob die Zeit plätzlich langsamer läuft.

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Das war´s mit meinen jetzt doch etwas umfangreicher gewordenen Tipps zum Thema Multitasking und Fokus. Wie immer hoffe ich, dass was für dich dabei war. Falls das so ist, lass es mich wissen und schreibe mir einen Kommentar.

P.S.: Hier noch der Link zum Zitat vom Ende der Podcast-Folge.

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