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Das Wichtigste dieser Folge in Kurzform:

  • Häufig begegnet man in Online-Coaching-Kreisen der Ansicht, dass man Arbeit und Leben nicht trennen könne, weshalb der Begriff Work-Life-Balance keinen Sinn ergebe.
  • Unsere Arbeit als Lehrer ist geprägt von vielfältigen sozialen Begegnungen und damit auch von unterschiedlichen sozialen Energien, die Stress erzeugen und ausbalanciert werden müssen.
  • Deshalb verwende ich den Begriff trotzdem gerne und regelmäßig in meinem Podcast und auf dieser Website.

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Das größte Problem, wenn ich mal ein paar Tage wegfahren will, sind die vielen Newsletter, die ich abonniert habe. Die lassen nämlich jedesmal, wenn ich wiederkomme, meinen E-Mail-Posteingang überquellen.

Ich bekomme regelmäßig Newsletter zu solchen Themen wie Stressmanagement, Achtsamkeit, NLP-Techniken, Resilienz, Produktivittät und vieles, vieles mehr. Alles Themen, die mich brennend interessieren.

Letztens war ein Newsletter von Robert Betz dabei, der einen Link zu einem Video enthielt, in dem Robert Betz über die Work-Life-Balance sprach. Robert Betz ist ein recht bekannter Familientherapeut und Coach, der auch online ziemlich erfolgreich mit seinem Thema unterwegs ist.

Kernaussage des Videos war, dass der Begriff Work-Life-Balance eigentlich ein Irrtum sei, weil man Arbeit und Leben nicht trennen könne. Es ginge vielmehr darum, eine Arbeit zu finden, die einen erfüllt, dann bräuchte man auch keine Balance zwischen beiden finden.

Frei nach dem Konfuzius nachgesagten Zitat:

„Such dir etwas, das du gerne tust und du musst nie wieder arbeiten.“

Und mit dieser Aussage ist Robert Betz nicht alleine. Schaut man sich im Online-/Berufungs-Coaching-Markt um, so findet man viele Coaches und Berater, die das ganz ähnlich sehen.

Und da ich selbst ja den Begriff gerne und regelmäßig verwende, habe ich zu diesem Thema – das meiner Meinung nach ziemlich essentiell für uns Lehrer ist – eine Podcast-Folge gemacht.

Warum Work-Life-Balance trotzdem Sinn macht

Gerade unter uns Lehrern gibt es sehr viele, die ihren Beruf als Berufung erleben und einen Beitrag dazu leisten möchten, Kindern und Jugentlichen einen bestmöglichen Start in ihr Leben zu erleichtern.

Das deckt sich auch mit einer repräsentativen Umfrage mit 176.000 Teilnehmern, die der deutsche Philologenverband an Gymnasien durchgeführt hat. Das Ergebnis dieser Umfrage war, dass sehr viele der befragten Lehrer angegeben haben, zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrem Beruf zu sein.

Und das führten die meisten der Befragten auf die Arbeit mit den Schülern zurück.

Das Interessante an diesem Ergebnis war allerdings, dass in der gleichen Umfrage die meisten der befragten Lehrer angeggeben haben, dass sie die Belastungen in ihrem Beruf gleichzeitig als sehr hoch erleben.

Dabei spielten u.a. heterogene Klassen, hohe zeitliche Belastung und der Umstand, dass es im Schulalltag keine Pausen gibt, eine Rolle (Die Welt und die FAZ haben ebf. über die Studie berichtet).

Also eine hohe Zufriedenheit trotz einer gleichzeitig hohen beruflichen Belastung.

Und das ist meiner Meinung nach ein guter Hinweis darauf, dass viele Lehrer ihren Beruf tatsächlich auch als eine Art Berufung erleben, aus der heraus sie eine hohe Leistungsbereitschaft entwickeln.

Andererseits zeigt es aber auch sehr deutlich, dass eine hohe Zufriedenheit nicht automatisch davor schützt, Stress und daraus resultierende gesundheitliche Folgen im Beruf zu erleben.

Und bei uns Lehrern sind es ja gerade die sehr engagierten Kollegen, die eher Gefahr laufen, bei ihrer Arbeit auszubrennen.

Und gerade für die ist es dann auch wichtig, eine Balance zu finden zwischen Arbeit einerseits und Freizeit andererseits – um regelmäßig die Ressourcen wieder aufzubauen, die während der Arbeitszeit besonders gefordert werden.

Wie passt das nun mit dem Video von Robert Betz zusammen?

Arbeit – Freizeit – Schlafen

Ein Drittel unseres (Arbeits-)lebens verbringen wir mit der Arbeit, ein Drittel verschlafen wir und ein Drittel bleibt übrig für alles andere, also unsere gesamte Freizeit.

Natürlich bedeutet Work-Life-Balance nicht, dass wir Leben und Arbeit in Einklang bringen sollten, sondern dass wir die Arbeit mit dem Rest unseres Lebens – eben der Freizeit – in Einklang bringen sollten.

Denn Arbeit und Freizeit sind die beiden großen Blöcke, die einen Einfluss auf uns und unser Leben haben.

Work-Life-Balance müsste also eigentlich Work-Rest-of-your-Life-Balance heißen, aber das ist halt etwas sperrig wink.

Warum wir einen Ausgleich zur Arbeit brauchen

Unsere Arbeit als Lehrer ist geprägt von einer Vielzahl sozialer Begegnungen, die wir den Vormittag über erleben: Dazu gehören Begegnungen mit Schülern, Kollegen, der Schulleitung oder auch Eltern.

Und nicht immer laufen diese Begegnungen harmonisch und entspannt ab. Viele Schüler stecken mitten in der Pubertät, wollen Grenzen austesten oder suchen Orientierung. Häufig treffen unterschiedliche Meinungen, Vorstellungen, Interessen und soziale Energien aufeinander. Und das bleibt nicht ohne Folgen.

Deshalb erleben wir die Arbeitszeit häufig als anstrengender als unsere Freizeit, in der wir uns mit gleichgesinnten Freunden umgeben und so einfach viel weniger soziale Spannungen erleben als während der Arbeitszeit.

Nicht ohne Grund sind in den letzten Jahren Exerzitien in Klöstern sehr populär geworden, kann man sich dort doch einmal für eine begrenzte Zeit aus solchen sozialen Interaktionen zurückziehen.

Eine Arbeit zu haben, die man gerne macht, schützt nicht davor, dass diese Arbeit auch Herausforderungen mit sich bringt. Ein Kunsthandwerker, der völligen Flow bei seiner Arbeit erlebt, muss sich manchmal trotzdem mit Kunden herumschlagen, die Rechnungen nicht bezahlen.

Und ich vermute mal, dass auch Robert Betz Stressmomente erleben wird, wenn er vor 1000 Menschen sprechen will und plötzlich die Technik versagt.

Stressmomente zu erleben, gehört zum Leben dazu. Und während der Arbeitszeit gibt es einfach mehr Gelegenheiten dazu, als in unserer Freizeit.

Das geht an unsere Ressourcen und dafür müssen wir einen Ausgleich schaffen, indem wir eben für eine ausgeglichene Work-Life-Balance sorgen.

Wichtig vor allem für uns Lehrer

Und das ist gerade für diejenigen wichtig, die ihre Arbeit besonders lieben. Denn die engagieren sich besonders stark und erleben solche Stressmomente meist sehr viel intensiver als jemand, der sich besser von der Arbeit distanzieren kann.

Deshalb gibt es bei Sozialarbeitern, Therapeuten und Psychologen Supervisionen. Eben um Erlebnisse zu besprechen und so wieder eine professionelle Distanz zum Klienten herzustellen.

Schule ist dagegen intensive Beziehungsarbeit, Supervision gibt es nicht und von Lehrern wird ja gerade auch erwartet, dass sie eine Bindung zu „ihren“ Schülern entwickeln.

Ob das immer sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahingestellt, auf jeden Fall macht es aber umso mehr eine Balance zwischen Schule und Freizeit für uns Lehrer notwendig.

Der Unterschied von Gleichgewicht und Balance

In der Folge 8 hatte ich dir von dem Buch „The One Thing(Werbung) erzählt. In dem Buch gibt es auch einen Abschnitt über den Begriff der Balance.

Die Argumentation geht in eine ähnliche Richtung wie bei dem Betz-Video, allerdings sagt der Autor. dass Balance deshalb keine Sinn machen würde, weil manchmal eher die Arbeit und manchmal eher die Freizeit im Vordergrund stehen würde.

Dass es eben nicht so sei, dass beide Seiten immer das gleiche Gewicht hätten.

Und das ist ja bei uns Lehrern sogar ganz extrem ausgeprägt: Phasen, in denen relativ wenig zu tun ist, wechseln ab mit Phasen, in denen auch ein 48h-Tag nicht ausreichen würde, um alles zu schaffen, was ansteht.

Ich finde aber, dass der Begriff Balance genau das eigentlich sehr schön ausdrückt – im Gegensatz zum Begriff Gleichgewicht, bei dem eben beide Seite der Waage das gleiche Gewicht tragen.

Deshalb finde ich, dass Work-Life-Balance überhaupt kein Widerspruch zu diesen unterschiedlichen Prioritäten ist.

Im Gegenteil, Balance macht sehr schön deutlich, dass man sich nach einer Phase intensiver Anstrengung bewusst wieder in die andere Richtung bewegen sollte und für einen Ausgleich sorgen sollte.

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All diese Überlegungen führen mich dazu, dass ich den Begriff der Work-Life-Balance hier regelmäßig und gerne benutze – auch wenn ich die Überlegungen von Robert Betz und den anderen Trainern und Coaches durchaus nachvollziehen kann.

Gerade für uns Lehrer ist es immer wieder wichtig, für einen bewussten Ausgleich zu den Ansprüchen unseres Berufsalltags zu sorgen und letztlich geht es ja auch genau darum hier im Healthy Teacher Podcast.

Und während wir das machen, können wir uns dabei ja immer weiter entwickeln, so dass wir irgendwann zu einer Einstellung gelangen, die uns erlaubt, alles offen und entspannt anzunehmen, was uns im Laufe des Tages begegnet.

Und bis dahin ist es glaube ich eine gute Idee, die eigene Balance dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

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Was denkst du über das Thema Work-Life-Balance? Ist das ein Modebegriff oder verbirgt sich für dich eine Notwendigkeit dahinter? Kümmerst du dich bewusst um eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit oder ist das für dich eher zweitrangig?

Schreib mir einen Kommentar!

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