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 Das Wichtigste dieser Folge in Kurzform:

  • Das Pareto-Prinzip besagt, dass 80% des Erfolgs von 20% der Ressourcen herrühren.
  • Die Berücksichtigung des Pareto-Prinzips kann vor Perfektionismus schützen.
  • Ich zeige dir einige praktische Möglichkeiten, wie du das Pareto-Prinzip für dich nutzen kannst, um zeitsparender zu arbeiten.

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Ein paar Mal im Jahr fahre ich „hoch“ zu meinem Vater. Das ist jedesmal eine mehrstündige Autofahrt, was bedeutet, dass ich mir immer das ganze Wochenende Zeit nehme.

Dafür muss ich natürlich immer ein paar Sachen zusammensuchen, die ich mitnehmen will. Kleidungsstücke, Waschutensilien, ein gutes Buch, Tablet, Ladegerät, die Sachen für meinen Hund und manchmal auch noch ein paar Unterlagen für die Schule – da wird die Reisetasche schnell voll.

Außerdem muss die Wohnung „wochenendfertig“ gemacht werden. Sind alle Fenster zu? Die Heizung aus? Muss der Müll noch runtergebracht werden? Also einige Dinge, an die ich jedesmal denken muss.

Und jedesmal fällt mir dabei eine Sache auf: Während ich die meisten Sachen in relativ kurzer Zeit gepackt und die meisten Dinge in relativ kurzer Zeit erledigt habe, dauert es dann doch jedesmal noch ziemlich lange, bis ich dann tatsächlich mit allem fertig bin und losfahren kann.

Und das ist kein Zufall.

Dahinter steckt eine Gesetzmäßigkeit, die in der Produktivitätsliteratur als das Pareto-Prinzip bekannt ist.

Was ist das Pareto-Prinzip?

Ende der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts kam es bei General Motors zu einem Vorfall, bei dem ein Kartenleser (die damaligen Speichermedien für die neu aufkommenden Computer) nur noch unleserliches „Kauderwelsch“ ausspuckte.

Der zweite Weltkrieg stand vor der Tür und so sahen die Manager von GM die Chance, aus der Fehlfunktion des Kartenlesers einen neuen Geheimcode zu entwickeln, der undechiffrierbar sein sollte.

Zufälligerweise war zur gleichen Zeit ein Berater von Western Electric namens Joseph M. Juran bei GM. Juran war anderer Meinung als die GM Manager und wollte den Code dechiffrieren. Dies gelang ihm dann auch nach einer durchgearbeiteten Nacht, worauf die Manager von GM so angetan von seiner Arbeit waren, dass sie Juran einen neuen Auftrag übertrugen.

Juran sollte sich Entschädigungszahlungen genauer anschauen, deren Verteilung einer mathematischen Formel zu folgen schienen, die ein italienischer Ökonom namens Vilfredo Pareto im 19. Jahrhundert entwickelt hatte.

Pareto hatte festgestellt, dass 80% der Landfläche Italiens dieser Zeit nur 20% der Menschen gehörte, dass also der Reichtum im Land sehr unterschiedlich verteilt war – was ja auch heute weltweit nach wie vor der Fall ist.

Juran, der sehr an Qualitätsmanagement interessiert war und an einem Buch darüber arbeitete, hatte nun die Vermutung, dass es sich bei Paretos Entdeckung um ein universelles Gesetz handeln könnte, das z.B. auch seine Beobachtung erklären könnte, nach der die meisten Probleme im Bereich des Qualitätsmanagement auf nur wenige Mängel zurückzuführen sein könnten.

Für sein Buch suchte er nach einem einprägsamen Namen für dieses universelle Gesetz und nannte es das Pareto-Prinzip.

Die 80/20- Regel

Nach dem Pareto-Prinzip werden 80% des Ergebnisses durch 20% der eingesetzten Ressourcen erreicht. Beispiele für die Gültigkeit des Pareto-Prinzips sind:

  • 80% des Datenverkehrs im Internet werden durch 20% der Websites verursacht.
  • 80% Umsatz einer Firma beruhen auf dem Verkauf von nur 20% der Produkte bzw. werden mit nur 20% der Kunden gemacht.
  • Wir tragen in 80% unserer Zeit nur 20% unserer Kleidungsstücke.
  • 80% des Verkehrs läuft auf 20% der Straßen.
  • Kinder spielen 80% ihrer Zeit mit 20% ihrer Spielsachen.

Auch in der Schule gibt es viele Beispiele für das Pareto-Prinzip:

  • 80% des Unterrichtserfolgs stecken in 20% der Vorbereitung.
  • 80% der Elterngespräche führen wir mit Eltern von 20% der Schüler.
  • 80% der Ergebnisse in Konferenzen werden in nur 20% der Konferenzzeit erreicht.

Aber auch:

  • 80% unseres erlebten Stresses werden von 20% der an uns herangetragenen Anforderungen verursacht.
  • Und 80% unseres Zufriedenheitsgefühls stammen von nur 20% der Dinge, die wir machen.

Dabei muss das Verhältnis nicht immer genau 80/20 betragen, es kann auch mal 70/30 oder 90/10 betragen. Aber das Prinzip bleibt: Viel Ergebnis mit relativ wenig Aufwand und dann sehr viel Aufwand für den Rest des Ergebnisses.

Vorsichtig sollte man allerdings sein, wenn es darum geht, dass Pareto-Prinzip unreflektiert auf alles Mögliche, u.U. auch soziologische und gesellschaftliche Phänomene zu übertragen. Einen kritischen Artikel dazu findest du hier.

Was bedeutet das in der Praxis?

In der Praxis bedeutet das Pareto-Prinzip, dass wir in relativ kurzer Zeit den größten Teil des angestrebten Ergebnisses erreicht haben – und für die verbleibenden 10%-20% dann nochmal einen riesigen Aufwand „fahren“ müssen.

Wenn wir also einen perfekten Unterricht vorbereiten wollen (was immer in diesem Zusammenhang dann perfekter Untericht genau bedeuten soll), müssen wir dafür einen sehr viel höheren Aufwand betreiben – gemessen an z.B. einem 80%-igen Unterrichtserfolg.

Ich habe dir hier einmal zwei Bücher zum Pareto-Prinzip herausgesucht. Beide beinhalten eine Reihe von Beispielem dafür, wie du das Pareto-Prinzip für dich nutzen kannst. Und beide gehen weit über das eigentliche Pareto-Prinzip hinaus und behandeln auch Themen wie Zeit- und Stressmanagement, Ziele erreichen oder Selbstwertgefühl.

In beiden Büchern geht es auch um Perfektionismus – meiner Meinung nach eine der großen Gefahren im Lehrerjob (natürlich nicht nur da). Weiter unten habe ich noch ein weiteres Buch für dich, was genau diese Verbindung zwischen Pareto-Prinzip und Perfektionsmus zum Schwerpunkt hat.

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Die Frage ist, ob sich dieser zusätzliche, sehr hohe Aufwand dann tatsächlich immer rechnet oder ob wir nicht auch mit einem weniger perfekten Ergebnis zufrieden sein können – und die gewonnene Zeit dann vielleicht in andere Dinge stecken, z.B. in das Erlernen von neuen Unterrichtsmethoden oder auch in unsere Erholung und Regeneration.

Beides käme unseren Schülern vermutlich mehr zugute.

Was du konkret tun kannst

Die Frage ist natürlich dann, was man konkret ändern kann, wenn man denn jetzt das Pareto-Prinzip zumindest hin und wieder einmal in seiner Arbeit als Lehrer berücksichtigen will.

Dafür habe ich einige Vorschläge für dich:

Halte eine Spontan-Stunde

Schwellenpädagogik und autodidaktisches Arbeiten bedeuten im Lehrerzimmer, dass man unvorbereitet in den Unterricht geht. Tatsächlich sind die meisten Kollegen aber i.d.R. sehr gut vorbereitet, wenn sie in den Unterricht gehen.

Versuche aber doch einmal, ganz bewusst eine Stunde nur sehr wenig vorzubereiten und schaue, wie sich die Stunde entwickelt. Dabei geht es nicht darun, seinen Unterricht nicht vorzubereiten, sondern darum, sich einmal ganz bewusst der Unsicherheit einer solchen Situation auszusetzen und sich ein wenig an diese Unsicherheit zu gewöhnen.

Das kann vor zu penibler Unterrichtsvorbereitung schützen und ganz nebenbei wissen wir alle, dass gerade solche spontanen Stunden häufig die besten sind.

Setze dir Zeitvorgaben für die Vorbereitung

Statt solange zu arbeiten, bis du mit der Unterrichtsvorbereitung fertig bis, setze dir vorher bereits eine feste Zeitvorgabe und halte dich auch daran. Das kann vor Perfektionismus schützen – eine Eigenschaft, die wie ich oben bereits erwähnt hatte, für uns Lehrer alles andere als güntig ist.

„Perfektionsmismus ist gut, wenn man Herzchirurg ist, ansonsten ist er eher ungünstig“, ist mein Lieblingsspruch dazu.

Und hier ist auch das oben bereits erwähnte Buch, dass sich speziell dem Thema Perfektionismus und Pareto-Prinzip widmet:

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Dir vorher schon zu überlegen, wie viel Zeit du der Erledigung einer Aufgabe einräumen willst, schützt dich auch vor den Auswirkungen eines der Parkinsonschen Gesetze.

Nach dem brauchen wir nämlich für eine Arbeit immer so viel Zeit, wie wir uns für die Erledigung dieser Arbeit vorgenommen haben. Und wenn wir uns kein Ende vorgenommen haben, dann hat unsere Arbeit auch kein Ende!

Identifiziere deine „Boosts and Bumps“

Oben hatte ich geschrieben, dass 80% unseres Stresserlebens von nur 20% der Dinge herrühren, die in unserem Leben passieren. Welche 20% sind das bei dir? Mache dir eine Liste deiner „Bumps“ und überlege, wie du anders als bisher mit ihnen umgehen kannst.

Das gleiche gilt für unsere „Boosts“, die Dinge, die in uns das Gefühl von Zufriedenheit auslösen. Welches sind die 20%, die für 80% deiner Zufriedenheit verantwortlich sind? Mache dir wieder eine Liste von diesen Dingen und mache mehr davon!

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Das war´s auch schon wieder mit den Shownotes zur aktuellen Folge. Wie immer hoffe ich, dass ich dir ein paar Inspirationen geben konnte, die deinen Alltag etwas leichter machen, so dass du morgen wieder voller Energie in einen neuen Tag in deiner Schule starten kannst!

Lass´ mir einen Kommentar da, das würde mich sehr freuen. Und wenn du willst, dann folge mir doch auf Facebook oder Twitter!

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